• 12. - 14.11 2020

Wie geht es unseren Kleinsten während der Pandemie?

Krise ist Chance, heißt es manchmal. Die Corona-Krise könnte eine Chance sein, die Elementarpädagogik neu zu bewerten – nämlich als unverzichtbar und in höchstem Maß wertvoll.

 

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Zu den systemrelevanten Unternehmen gehören auch Kindergärten.  

„Was Kinder betrifft, betrifft die Menschheit“. Dieser Satz der vor genau 150 Jahren geborenen Reformpädagogin Maria Montessori (1870-1952) stimmt auch umgekehrt – vor allem jetzt, zur Zeit der Covid-19-Pandemie: „Was die Menschheit betrifft, betrifft Kinder“ und all jene, die in Familien, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen oder Schulen mit ihnen unterwegs sind!

Auch für den elementarpädagogischen Bereich bedeutet die vom Corona-Virus hervorgerufene Ausnahmesituation eine immense Herausforderung. Ähnlich wie im Schulwesen wurden während des ”Lockdowns“ im Frühjahr 2020 in den meisten Einrichtungen Kinder betreut, vor allem dann, wenn Mutter und/oder Väter unverzichtbare Berufe ausüben. Insofern zählen Krippen, Krabbelstuben und Kindergärten zu systemrelevanten Unternehmen. Wusste man das auch zuvor? Endlich nimmt die breite Gesellschaft wahr, welch wichtige Arbeit PädagogInnen leisten – sogar mit dem Risiko persönlicher Ansteckung.

Es war wohltuend, als Bundespräsident Alexander van der Bellen in einer Fernsehansprache ausdrücklich auch dem Personal in Kindergärten dankte. Von der Bundes- und Landespolitik sowie der Verwaltung freilich hätten sich die Verantwortlichen vor Ort häufig klarere Vorgangsweisen, bessere Information und mehr Mitsprache gewünscht. Einmal mehr wurde sichtbar, wie dringend notwendig österreichweit gültige Regelungen (im Sinn des lange geforderten „Bundesrahmengesetzes“) wären.

Eine Salzburger Kindergartenleiterin beschrieb ihre Arbeit damals so: „Wir versuchen den Betrieb möglichst normal aufrechtzuerhalten, ohne die Kinderzahl planen zu können. Mit den Anwesenden verbringen wir die Zeit sehr intensiv, damit es ihnen möglichst gut geht. Ausflüge sind gestrichen, aber der Garten ist geöffnet und natürlich wird Hygiene großgeschrieben, so werden immer wieder alle Spielsachen und Türklinken etc. desinfiziert.“ Das Einhalten der Abstandregeln ist im elementarpädagogischen Arbeitsfeld naturgemäß schwierig, etwa wenn es um Pflegehandlungen oder um soziale Interaktionen geht.

Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen können, sollen und dürfen auch in Pandemiezeiten weder willkürlich offen gehalten noch geschlossen werden. PädagogInnen ebenso wie Mütter und Väter haben ein Recht auf Planbarkeit und Unterstützung. Innerfamiliäre Überforderungen bis hin zur massiven Zunahme häuslicher Gewaltfälle wurden berichtet. Vor allem aber benötigen die Kinder Kontinuität, Bildungsmöglichkeiten, soziale Kontakte und stabile Beziehungen. Dies umso mehr, als auch sie angesichts allgemeiner Verunsicherung nicht selten von Ängsten erfasst werden. Sie zu stärken, ihre Resilienz zu fördern und ihnen optimistisch, zugewandt und humorvoll zu begegnen, ist das Gebot der Stunde.

 

Text von Mag. Martin Kranzl-Greinecker, Chefredakteur von UNSERE KINDER –

Österreichs Fachjournal für Bildung und Betreuung in der frühen Kindheit