• 12. - 14.11 2020

Covid-19 als Geburtshelfer zur Digitalen Bildung

Zwar wurde durch Corona die Digitalisierung von Lehre und Unterricht vorangetrieben,
aber „die Kultur für Digitale Bildung“ ist weiterhin Neuland.

 

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Inmitten des Covid-19-Dramas entwickelt sich in Windeseile learning by doing: Selbst bisher technik-skeptische Lehrende und Unterrichtende arbeiten in virtuellen Räumen, stellen ihre Lehr- und Lernmaterialien auf digitalen Plattformen zur Verfügung und nutzen neue kommunikative Tools mit ihren Studierenden oder Schüler/innen. Die Kommunikation entwickelt sich durch distance learning direkter, Feedback wird individualisierter und die Einhaltung von Abgabefristen wird ernster genommen:  Im virtuellen Raum beteiligen sich mitunter auch jene stärker, die im realen Seminarraum stumm geblieben waren. Verständlicherweise erweist es sich für weit vom schul- oder Hochschulstandort entfernt wohnende Schüler/innen bzw. Studierende als positiv, sich weite Anfahrtswege ersparen zu können.

 

Angebote für Lehrende, Lernende und deren Eltern

Die Mediendidaktiker/innen der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich unterstützen seit der Corona-Pandemie nicht nur die Lehrenden, sondern auch die Schulstandorte, die Schüler/innen so­wie ihre Familien mit der Plattform www.lernentrotzcorona.at, die zahlreiche Best Practice-Bei­spiele, nutzbare Links für das Lernen und eine Vielzahl weiterer Hilfen anbietet. Für den Schulunterricht selbst bietet sich eine bundesweite Eduthek an (https://eduthek.at/schulmaterialien).

 

„Kultur der Digitalen Bildung“ als Entwicklungsherausforderung

Trotz der vielen Initiativen und erfolgreichen Maßnahmen, die seit der Zeit des unverzichtbaren Fernunterrichts umgesetzt werden, ist der Weg noch ein weiter: Der Schweizer Mediendidaktiker und Informatiker Beat Döbeli Honegger kritisiert zurecht, dass Fernlehre noch als Notfall angesehen wird. So wurden in Österreich wöchentlich etwa 23 Mio. Seiten Papier zu Hause ausgedruckt oder von der Schule verteilt.

Digitales Lernen und Lehren braucht vor allem gute Planung und methodische Reife. Neben einer sachgerechten Evaluation der Methodik ist auch eine der Inhalte unverzichtbar. Nicht zuletzt besteht auch digitales Lernen und Lehren keinesfalls zu 100 Prozent aus reiner Fernlehre.

 

Vieles bleibt digital

Vieles, was in der Zeit der Fernlehre zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wird auch in der Zeit nach Corona bestehen bleiben. Hochschulische Lehre und schulischer Unterricht werden ungleich mehr als bisher in Blended-Learning-Konzepten abgebildet sein. Geographische Entfernungen werden weniger Rolle spielen, weil die Hemmschwelle gesunken ist, Expertinnen und Experten auf digitalem Weg in den Seminar- oder Klassenraum zu holen.

 

Herausforderungen für die Post-Corona-Zeit

Eine Herausforderung für Schule und Hochschule bleibt das digitale Prüfungswesen, um die Anwendung des Gelernten in den Mittelpunkt zu stellen – weg von reinen Wissensabfragen wie Multiple-Choice Prüfungen, die im digitalen Prüfungswesen noch weit verbreitet sind, hin zu Open-Book- und Portfolioprüfungsformen.

Es ist mittelfristig zu hoffen, dass distance learning zur Bildungsgerechtigkeit beigetragen kann und nicht die Differenzen vermehrt. Hier sind noch viele Ideen und Initiativen gefragt, um zu helfen, Chancengleichheit für alle Lernenden herzustellen.

 

Verfasser dieses Textes war die Pädagogischen Hochschule Niederösterreich